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Total durch­ge­knallt

Die kana­di­sche Transgender-​Gesetzgebung macht das Leben für 97 Prozent der Bevölkerung sehr umständ­lich. Political Correctness wird zur Geissel der Gesellschaft.

enna Talackova ist 2012 als erster Trasngender an der kanadischen Miss-Universe-Wahl angetreten.
Jenna Talackova ist 2012 als ers­ter Trasngender an der kana­di­schen Miss-​Universe-​Wahl ange­tre­ten.

Wir leben in Zeiten des Wahnsinns. Drei Milliarden Jahre Evolution sind auf ein­mal irrele­vant. Entwertet von der Empfindsamkeit einer Gesellschaft, wo jeder sei­ne eige­ne Wahrheit kon­stru­ie­ren darf, die Wahrheit, die gera­de sei­nem emo­tio­na­len Selbstverständnis ent­spricht. Dazu gehö­ren Geschlechtsidentitätswechsel im Schnellverfahren – gesetz­lich geför­dert und begüns­tigt von Medizinern. Ein aktu­el­les Youtube-​Video aus Kanada zeigt, wies geht.
In dem Experiment gibt sich ­Reporterin Lauren Southern, eine jun­ge Frau, als Person aus, die ihre Geschlechts­identität als «aus­ser­halb des Systems von Mann und Frau» ­emp­fin­det. «Ich füh­le, mein Geschlecht ist eher männ­lich», beschreibt sie sich einer Ärztin und bit­tet um ein ­medi­zi­ni­sches Attest, das ihre ­männ­li­che Identität bestä­ti­gen soll. «Ich prä­sen­tie­re mich nicht immer männ­lich […]. Ich füh­le mich zu Frauen hin­ge­zo­gen.» Die Ärztin, anfangs ver­wirrt, stellt nach zwei ­kur­zen Rückfragen die Diagnose aus: Geschlecht männ­lich.
Mit dem Dokument bean­tragt Southern spä­ter beim Einwohneramt eine neue Identitätskarte – sie trägt Highheels, ihr lan­ges Haar fällt über die Schultern. Sie stellt klar: «Ich möch­te als männ­lich iden­ti­fi­ziert wer­den.» Die Mitarbeiterin, anfangs ver­wirrt, hän­digt ihr nach einem kur­zen Telefonat die ID aus: Geschlecht männ­lich. Sie spricht die Reporterin mit «Sir» an.

Quelle des Artikel: http://​mobi​le2​.bazo​n​line​.ch/​a​r​t​i​c​l​e​s​/​5​8​3​f​c​7​7​f​a​b​5​c​3​7​1​3​6​c​0​0​0​001

Man könn­te es als irr­wit­zi­ge ­Episode abtun, wäre der Test nicht vor dem Hintergrund eines neu­en Gesetzes (Bill C-​16) ent­stan­den, das der libe­ra­le Premierminister Justin Trudeau im Mai dem Parlament vor­ge­stellt hat. Es soll die Rechte von Transgender-​Personen in den kana­di­schen Menschenrechten ver­an­kern. Tritt das Gesetz in Kraft, könn­te man schon nur für das Infragestellen eines Geschlechts, egal ob ein medi­zi­ni­sches Attest vor­liegt, recht­lich belangt wer­den.
Es ist unbe­strit­ten: Menschen, die sich mit ihrem bio­lo­gi­schen Geschlecht nicht iden­ti­fi­zie­ren, soll ein Identitätswechsel nicht unnö­tig schwer gemacht wer­den. Auch sind die Anfeindungen, mit denen Transgender manch­mal ­kon­fron­tiert wer­den, trau­ri­ge Realität. Realität ist aber auch das Kuschen vor der Political Correctness. Es ist ­mitt­ler­wei­le so weit fort­ge­schrit­ten, dass Leute aus Angst vor Konsequenzen ihren Kopf ein- und den Stecker zur Vernunft raus­zie­hen. Es hat etwas ­vor­aus­ei­lend Gehorsames, so wie wenn man sei­nen Rasen früh­zei­tig mäht, damit der Nachbar nicht auf die Idee kommt, man ver­nach­läs­si­ge die Gartenpflege.
Indem man für 2,5 Prozent der Bevölkerung (Anzahl Transgender in Kanada) radi­ka­le Gesetze for­dert, ­ver­ein­facht man viel­leicht deren Alltag ein biss­chen. Für 97,5 Prozent der Menschen aber wer­den sich heik­le ­Situationen auf­tun – der zwi­schen­mensch­li­che Umgang wird zum Hochseiltanz. Ist es nicht auch Diskriminierung, wenn ein Arbeitgeber per Gesetz mit der «Ismus»-Keule nie­der­ge­streckt wird, nur weil er das Geschlecht eines Mitarbeitenden hin­ter­fragt? Spinnt man es wei­ter, könn­ten erfolg­lo­se Profiboxer ja ein­fach ein Comeback bei den Damen geben. Oder Jobsuchende je nach Stellenbeschrieb ihre Identität wech­seln. Körperdurchsuchungen am Flughafen dürf­ten zu bizar­ren Vorführungen mutie­ren.

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