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Wie eine Frau als Bariton zum Opernstar wird

Opernsängerin Lucia Lucas war frü­her ein Mann. Ihre Stimmlage hat sie auch nach ihrer Geschlechtsumwandlung behal­ten. Eine Begegnung mit Deutschlands ein­zi­ger trans­se­xu­el­ler Sängerin.

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Eine Frau läuft auf die Bühne. Mit hoher Stimme ruft sie hin­ter einem Mann her, der in einer Tür ver­schwin­det. Dann dreht sie sich mit generv­tem Blick zum Publikum und beginnt eine wuch­ti­ge Arie. Sie singt tief, in per­fekt sit­zen­der Baritonlage. Verwirrung im Publikum. Ist das jetzt eine Frau? Oder ein Mann?

Lucia Lucas ist eine Frau. Früher war sie mal ein Mann. Aber nur bio­lo­gisch, denn sie steck­te in einem fal­schen Körper. Zwei Jahre hat es gedau­ert, bis sie durch Operationen und Hormonbehandlungen das Geschlecht gewech­selt hat­te. Das ist heu­te kei­ne Seltenheit mehr. Aber im Beruf einer Opernsängerin ist das ziem­lich unge­wöhn­lich. Nun ist sie in meh­re­ren Rollen an den Wuppertaler Bühnen zu sehen.

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Jahrzehntelang hab ich einen Mann gespielt“

Damals war die US-​Amerikanerin fest ange­stellt am Staatstheater Karlsruhe, damals noch als Lucas Harbour. „Mein Beruf war in die­sem Augenblick zweit­ran­gig“, sagt sie mit lei­ser, kla­rer Stimme. „Ich muss­te den nächs­ten Schritt gehen. Ich lieb­te mei­ne Arbeit, aber ich wuss­te, wenn ich das nicht machen kann, bin ich fer­tig.“

Lucia Lucas ist ver­hei­ra­tet. Ihre Frau Ariana ist eben­falls Opernsängerin, eine Altistin, die gera­de in Karlsruhe im „Ring des Nibelungen“ singt. Gerade haben die bei­den den 13. Jahrestag ihrer Beziehung gefei­ert, in Wuppertal. „Lucia ist der Mensch geblie­ben, der sie immer war“, sagt Ariana. Wenn Lucia über ihre Frau erzählt, klin­gen ihre Worte ein­fach, ehr­lich, warm­her­zig. Kein Anflug von Hollywood. Divengehabe ist ihr ohne­hin fremd. Wer von der pri­va­ten Lucia den ero­ti­schen Glitzerglamour man­cher Transsexuellen erwar­tet, hat Pech. Sie ver­strömt eine Aura der Normalität.

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