Das ist kein Spleen

Viel häu­fi­ger als frü­her wol­len Kinder und Jugendliche ihr Geschlecht wech­seln. Besonders bei Mädchen stei­gen die Zahlen rapi­de. Ist es rich­tig, schon vor der Pubertät in die kör­per­li­che Entwicklung ein­zu­grei­fen?

Viele Kinder und Teenager fragen sich: Stecke ich im richtigen Körper?
Viele Kinder und Teenager fra­gen sich: Stecke ich im rich­ti­gen Körper?

Manchmal hört er den Namen noch zufäl­lig, wenn er unter­wegs ist. Oder bei einem Freund aus der Basketballmannschaft, des­sen Schwester so heißt: Leonie. Früher ist er zusam­men­ge­zuckt, wenn er die drei Silben hör­te: Le-​o-​nie! Aber das ist vor­bei. Heute berührt ihn das nicht mehr. “Ist ein­fach nur irgend­ein Name”, sagt Mark*.

Dabei hieß er die meis­te Zeit sei­nes Lebens selbst so. Bis zu dem Tag, an dem Leonie Grabow vor ihre Schulklasse trat und ver­kün­de­te: “Ich bin ein Junge und hei­ße ab heu­te Mark Grabow.” Das war nach den Osterferien 2014. Heute erin­nert nichts mehr an Marks altes Leben. Der Junge trägt die Haare an den Seiten ras­pel­kurz, über dem Körper schla­ckert ein T-​Shirt. So wie bei den Basketballern auf den Postern in sei­nem Zimmer.
Und eigent­lich will Mark über die Sache nicht mehr reden. So oft hat er es schon erklärt – den Medizinern, den Psychologen und Gutachtern. Dann erzählt er doch: von den Rollenspielen in der Kita, wo Leonie immer den Vater spiel­te; von der Angst vor dem Schulschwimmen und von dem Basketballstar Marc Gasol, der ihm die Idee für sei­nen neu­en Namen gab. Das alles berich­tet der Junge so ruhig und abge­klärt, als sei es eine Ewigkeit her – und so ein Identitätswechsel das Normalste der Welt.

Quelle des Artikel: http://​www​.zeit​.de/​2​0​1​6​/​4​7​/​t​r​a​n​s​s​e​x​u​a​l​i​t​a​e​t​-​k​i​n​d​e​r​-​j​u​g​e​n​d​l​i​c​h​e​-​g​e​s​c​h​l​e​c​h​t​-​u​m​w​a​n​d​l​u​n​g​/​k​o​m​p​l​e​t​t​a​n​s​i​cht

Das ist es natür­lich nicht. Wer aber die Geschichte von Mark hört, wer mit Ärzten, Wissenschaftlern und Eltern spricht, der kommt ins Staunen. Über die von Jahr zu Jahr stei­gen­den Zahlen sol­cher Fälle, über die Toleranz, die das Thema mitt­ler­wei­le umgibt. Und über die rela­tiv weni­gen Probleme, auf die die Kinder und Jugendlichen sto­ßen.

Doch ist es ver­ant­wort­bar, wenn Mediziner immer mehr Jugendliche immer frü­her mit Sexualhormonen zu einer Geschlechtsumwandlung ver­hel­fen? Ab wann sind jun­ge Menschen alt genug, zu wis­sen, wer sie wirk­lich sind? Und was ist der Grund dafür, dass in die Spezialambulanzen seit ein paar Jahren beson­ders vie­le Mädchen kom­men, die mit ihrem Geschlecht unglück­lich sind?

Leonie hat sich “anders” gefühlt, solan­ge Mark zurück­den­ken kann. Schon in der Kita hielt sie sich an die Jungs: Wurden die Mädchen auf­ge­ru­fen, blieb sie sit­zen. Ein Büchlein mit Fotos und Sprüchen, das Leonie zum Andenken an ihre Zeit im Kindergarten bekam, doku­men­tiert die frü­he Verwandlung: Von Jahr zu Jahr wird Leonies Haarschnitt kür­zer und die Kleidung jun­gen­haf­ter. Auf einem der letz­ten Bilder trägt das Kind einen Polizeihelm. Da lächelt es das ers­te Mal.

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