Genitalchirurgie-​Video ist Klick-​Hit im Netz

Wie funk­tio­niert eine Mann-​zu-​Frau-​OP?

Aus Mann mach Frau: Mehr als 60 Mio. Mal wur­de ein Animations-​Video über eine geschlechts­an­glei­chen­de Operation auf Facebook bereits ange­se­hen. Der Zusammenschnitt ist nicht auto­ri­siert, das Originalvideo stammt vom Europäischen Urologieverband (EAU), der es bereits 2013 ver­öf­fent­lich­te.
Aber: Es ist sehr blu­tig, BILD hat daher eine user­freund­li­che und von den Experten auto­ri­sier­te Variante geschnit­ten – das Video sehen Sie oben.

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Wer lässt den Eingriff machen und war­um?

Eine geschlechts­an­glei­chen­de (oder auch geni­tal­an­glei­chen­de) OP las­sen Transsexuelle (auch: Transidente) durch­füh­ren, ca. 58 000 bis 66 000 leben laut Schätzungen in Deutschland. Sie füh­len sich, als wären sie im fal­schen Körper gebo­ren. Die Operation, bei der der Penis in eine Vagina (oder umge­kehrt) umge­wan­delt wird, ist meist der letz­te feh­len­de Schritt in ein neu­es Leben.

Dennoch ent­schei­den sich weni­ger als 50 Prozent zu der OP. Gründe kön­nen u.a. die Angst vor den Folgen der OP oder auch der pro­ble­ma­ti­sche, lang­wie­ri­ge Umgang mit Familie, Krankenkassen oder Ämtern sein.

Wie das Video zeigt, ist der Eingriff selbst auch sehr kom­plex, meh­re­re OP-​Schritte mit viel Feingefühl sind nötig, um die sen­si­ble Intimregion so zu for­men, dass sie nicht nur echt aus­sieht, son­dern sich für den Patienten spä­ter auch echt anfühlt und die Orgasmusfähigkeit erhal­ten bleibt.

Wie genau läuft die OP ab?

Dr. Pottek: „Kurz gesagt, in sechs Schritten:

► 1. Zwischen den Hoden wird eine Mittellinie geschnit­ten

► 2. Die Hoden wer­den ent­fernt

3. Die Harnröhre wird vom Schwellkörper iso­liert

► 4. Vom Schwellkörper wer­den Gefäßnervenbündel (stark durch­blu­tet, wich­tig für das spä­te­re Gefühlsempfinden) und Eichel gelöst

► 5. Die Neovagina wird geschaf­fen, indem der Raum zwi­schen Enddarm und Blase geöff­net wird und die vor­her umge­stülp­te Penisschafthülle in die Neovagina ein­ge­näht wird. Manche Operateure – wie ich – benut­zen zur Penisschafthülle zusätz­lich Harnröhrengewebe, ande­re die Hodensackhaut.

► 6. Die äuße­ren Schamlippen wer­den aus den äuße­ren Anteilen des ehe­ma­li­gen Hodensacks geformt

Der schwie­rigs­te OP-​Schritt ist dabei das Formen der Neovagina, denn das ist tech­nisch sehr anspruchs­voll und kom­pli­ka­ti­ons­reich. Man kann z.B. aus Versehen in den Darm rein­schnei­den – eine sol­che Wunde heilt extrem lan­ge aus, wes­halb Patienten dann ein paar Monate einen künst­li­chen Darmausgang bekom­men.“

Wie lan­ge dau­ert die OP?

Dr. Pottek: „Wenn Sie mit Skalpell und Schere ope­rie­ren, sind Sie ca. fünf Stunden im OP. Ich arbei­te mit einer Ultraschallschere, die beim Schneiden auch gleich­zei­tig die Wunde zuschweißt, d.h. es blu­tet kaum. Dadurch bin ich oft nach 2,5 bis drei Stunden mit dem Eingriff fer­tig.“

Wie lan­ge dau­ert die Heilungsphase?

Dr. Pottek: „Mindestens zwei Wochen, eher mehr. Wichtig: Der Patient soll­te nicht rau­chen, denn das ver­engt die Blutgefäße und ver­schlech­tert die Wundheilung! Mit Geschlechtsverkehr soll­ten Patienten min­des­tens ein hal­bes Jahr war­ten. Zudem müs­sen sie in die­ser Phase auch aktiv beim Heilungsprozedere mit­hel­fen, dazu gehört die soge­nann­te Dilatation – die Dehnung der Scheide mit­tels medi­zi­ni­scher Dildos oder Stiften, die es in ver­schie­de­nen Größen gibt.“

Gibt es auch Patienten, die mit dem OP-​Resultat unzu­frie­den

Dr. Pottek: „Die gibt es immer – bei jedem Arzt. Ich kann zwar das Genital bzw. die Körperlichkeit eines Menschen ändern, aber damit ände­re ich nicht immer deren Lebensumstände. Erlebtes Trauma, Frust oder Depressionen im Leben gehen lei­der nach der OP nicht auto­ma­tisch weg – auch wenn das vie­le Patienten hof­fen.”

Eine geschlechtsangleichende OP lassen Transsexuelle (auch: Transidente) durchführen, ca. 58 000 bis 66 000 leben laut Schätzungen in Deutschland
Eine geschlechts­an­glei­chen­de OP las­sen Transsexuelle (auch: Transidente) durch­füh­ren, ca. 58 000 bis 66 000 leben laut Schätzungen in Deutschland

Wie vie­le die­ser Operationen wer­den jähr­lich in Deutschland durch­ge­führt?

Dr. Pottek: „In unse­rer Klinik hier in Hamburg ope­rie­ren wir jähr­lich ca. 50 bis 60 Patienten. Da nur weni­ge Chirurgen in Deutschland die­se Art Eingriffe vor­neh­men, schät­ze ich, dass es ins­ge­samt 300 Mann-​zu-​Frau-​Operationen in Deutschland gibt. Frau-​zu-​Mann-​Eingriffe sind sel­te­ner, da schät­ze ich die Zahl auf ca. 150 pro Jahr.“

Was kos­tet die Operation?

Nicole Faerber von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (Beratungsstelle NRW /​Südwestfalen): „Die Kosten für eine Mann-​zu-​Frau-​OP lie­gen im Bereich von ca. 15 000 bis 20 000 Euro. Leider ist es nach wie vor so, dass die gesetz­li­chen Krankenkassen ver­su­chen, die Kostenübernahme zu umge­hen oder zu ver­wei­gern. Dies führt zu Traumatisierungen der Patienten und ver­mehrt auf­kom­men­den Rechtsstreitigkeiten vor den Sozialgerichten.“

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