Mein TS Weg

Tipps zum TS-Weg

Die Erkenntnis, dass man im falschen Körper geboren wurde ist sehr individuell, sowohl vom Zeitpunkt her als auch von der Intensität.  Heute sieht es auch ganz anders aus als vor einigen Jahrzehnten. Woran damals noch nicht zu denken war, ist heute möglich. Die Gesellschaft ist  aufgeschlossener geworden, obwohl die Transsexualität es immer noch nicht so akzeptiert wird, wie die Homosexualität.

Der Gesetzgeber ist zwar noch nicht auf dem Laufenden, aber ich denke, da wird sich in nächster Zeit auch was ändern. Ich nehme an, die Hürden, vor dem Gesetz das Geschlecht zu wechseln, werden einfacher werden. Aber dafür befürchte ich, dass schwerer werden wird, Kosten für entsprechende Operationen von Krankenversicherungen oder anderen Sozialversicherungsträgern bewilligt oder ersetzt zu bekommen.

So verschieden die betroffenen Menschen sind, so verschieden können auch die Wege sein. Auch die Bedingungen sind sehr verschieden. Aber es gibt meistens viele Parallelen und vom Grundsatz her sind der Weg und die auf diesem Weg liegenden „Steine“ ähnlich.

Bei den nachfolgenden Betrachtungen gehe ich von mir aus. Deswegen betrachte ich auch das aus der Sicht einer Mann-zu-Frau-Transsexuellen (MzF). Im umgekehrten Fall wird es sinngemäß auch zutreffen.

Das, was für mich richtig war, muss es aber nicht für Andere sein. Und es sind eben nur Tipps und keine Richtlinien. Falls es für Euch also nicht das Richtige war, macht mir keine Vorwürfe. Falls Ihr Ergänzungen und Vorschläge habt oder der Meinung seid, es ist irgendwas nicht richtig, sagt es mir.

Irgendwann stellt man fest, dass man Gefühle entwickelt, die nicht zum angeborenen Geschlecht passen. Bei mir und bei den meisten MzF-TS hat das angefangen, es schön zu finden, weibliche Kleidung zu tragen, sich zu schminken und Schmuck zu tragen. Am Anfang ist es einfach nur ein herrliches Gefühl aber irgendwann fragt man sich, warum macht man das – ob man nicht doch eine Frau ist, aber versucht es zu verdrängen. Man nimmt sich vor, es nicht mehr zu machen, aber man schafft es nicht. Ob man wirklich transident ist, weiß man zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Jetzt kommt der erste Fehler den ich gemacht habe, ich habe mich davor geschämt und sehr große Angst gehabt, dass es jemand erfährt. Zumindest ist es aus heutiger Sicht falsch, aber die damaligen Zeiten waren leider anders. Es gab kein Internet, keiner hat über „so was“ gesprochen, ein Junge (oder Mann) hatte ein Junge zu sein und ich dachte, ich wäre der einzige auf der Welt, der so empfindet. Zum damaligen Zeitpunkt war es vielleicht sogar richtig, es zu verschweigen, wer weiß was sonst mit mir passiert wäre.

Aber heute ist es auf jeden Fall falsch. Wenn Ihr solche Gefühle habt und Ihr merkt, sie lassen sich nicht verdrängen, traut Euch jemanden Nahestehenden an. Desto eher, umso besser. Ihr schafft es wahrscheinlich ohnehin nicht, diese Empfindungen zu überwinden.

Ich weiß, auch heute ist die Angst noch da. Aber ohne erst mal anzufangen, seine Gefühle rauszulassen, anzufangen im kleinen Rahmen ab zu eine Frau sein zu dürfen, werdet Ihr nie erfahren, ob Ihr wirklich im falschen Körper steckt (TS), oder nur einfach das Bedürfnis habt, das Gefühl der Weiblichkeit zu erleben (TV).

Stellt Ihr dann fest, dass Euch das gelegentliche „Frausein“ nicht reicht, überstürzt nichts. Ich weiß, dass das schwierig ist, sich dann zurückzuhalten. Hat man erst mal angefangen diesen Weg zu gehen, möchte man am liebsten gleich alles haben. Ich selbst wurde „Gott sei Dank“ immer wieder von anderen „ausgebremst“. Überlegt Euch jeden weiteren Schritt genau und macht einem nach dem anderen. Seit ehrlich zu Euch selbst. Versucht Eure Gefühle zu analysieren.

Jetzt wird Euch wahrscheinlich erst richtig bewusst, dass Ihr im falschen Körper steckt. Man begreift jetzt erst richtig, dass der Kampf dagegen vorher eigentlich nicht zu gewinnen war.

Seit Ihr verheiratet oder habt eine Partnerin steht Ihr wahrscheinlich jetzt vor fast unlösbar scheinenden Problemen.. Ich glaube, es ist auch die größte Hürde auf diesem Weg. Wahrscheinlich kommt Eure Partnerin nie hundertprozentig darüber hinweg.

Bevor der sogenannte Alltagstest beginnt, Ihr also nach außen hin als Frau lebt, ist es vorteilhaft, etwas gegen den Bartwuchs zu unternehmen. Ein Mann ohne Bartschatten fällt kaum auf, aber eine Frau, der man trotz Make-up noch einen starken Bartwuchs ansieht.

Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse für eine IPL- oder Laserbehandlung zu bekommen, ist fast aussichtslos. Wenn überhaupt zahlt die Krankenkasse nur eine Nadelepilation. Aber da ist es schwierig, einen Arzt zu finden, da das für ihn nicht lohnenswert ist.

Um ein Outing kommt Ihr nicht herum. Aber wie oben schon erwähnt, ist Eure Angst meist unbegründet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass heute, auch in kleineren Orten, die Akzeptanz ganz gut ist. Probleme gab es bei mir nirgends, weder in der Nachbarschaft, im Bekannten- und Freundeskreis noch auf Arbeit. Natürlich ist man dann „Stadtgespräch“, aber über wen wird nicht geklatscht. Auch gehe ich mit meiner Transidentität völlig offen um. Das bedeutet nicht, dass ich mir ein Schild umhänge, aber ich versuche es nicht mit allen Mitteln zu verschweigen. Ich bin nun mal so geboren. Jemand, der z. B. behindert ist, muss auch damit leben. Alle, die mich kennen, wissen es ohnehin. Und mit dem offenen Umgang lebt man nicht nur unbekümmerter, sondern erhöht auch das Verständnis in der Gesellschaft.

Vorteilhaft ist es auch, sich nicht nur Informationen aus dem Internet zu beschaffen, sondern auch aktiv an entsprechenden Foren teilzunehmen. Scheut Euch nicht, entsprechende Fragen zu stellen und Eure Probleme darzulegen. Auch Selbsthilfegruppen und Stammtische sind sehr hilfreich. Ich habe dadurch echte Freunde gewonnen.

Wenn Ihr dann sicher seid, im falschen Körper zu leben, wird es Zeit, den offiziellen Weg zu gehen. Sucht Euch einen Psychologen, der Erfahrung mit Transsexualität hat und nach Möglichkeit eine Kassenzulassung. Eine Genehmigung der Krankenkasse benötigt Ihr hierfür nicht. Ich habe eine Überweisung von meinem Hausarzt zum Urologen geben lassen und dieser hat mich dann an den von mir gewünschten Psychologen überwiesen. Im Zweifelsfalle fragt nach.

Wichtig ist, dass zwischen Euch und dem Therapeuten die „Chemie“ stimmt. Sonst hat das Ganze keinen Sinn. Seit ehrlich zu ihm und er sollte weder in der einen noch in der anderen Richtung voreingenommen heran gehen. Seht ihn nicht als „Pflichtübung“ an, sondern als jemanden, der Euch auf dem Weg helfen soll.

Geht zu eurem Therapeuten so, wie Ihr Euch fühlt, also als Frau. Versucht Euch so zu kleiden und zu schminken, wie es jede andere Frau auch macht. Vermeidet also Übertreibungen.

Jetzt braucht Ihr auch einen TS-Lebenslauf. Zumindest wollte mein Therapeut einen haben. Aber spätestens für das Gericht benötig Ihr ohnehin Einen. Aus ihm sollte Eure transsexuelle Entwicklung hervorgehen. Versucht auch, nicht nur zu schreiben, was Ihr wann und wo gemacht habt, sondern auch warum. Versucht Eure Gefühle auszudrücken. Das ist nicht einfach. Die Länge des Lebenslaufes ist nicht wichtig, aber aussagekräftig sollte es sein.

Spätestens jetzt sollte auch Euer Alltagstest beginnen. Ich habe das aber nicht als Alltagstest gesehen. Ich habe einfach angefangen, so zu leben, wie ich mich fühle. Das hat mit „Test“ für mich nichts zu tun. Ich fühle mich als Frau und deswegen lebe ich auch so. Ich habe Jahrzehnte versucht als Mann zu leben, weil ich geglaubt habe, es wird von mir verlangt, aber habe es nicht geschafft, dabei glücklich zu werden.

Wenn hier nochmals der Einwand kommt, ich habe ja geheiratet und Kinder gezeugt, dem möchte ich nochmals sagen, dass die sexuelle Ausrichtung nichts mit Transsexualität zu tun hat.

Am Anfang hat man die Sitzungen beim Therapeuten in der Regel in relativ kurzen Abständen. Je nachdem, wie alles verläuft und ob Probleme bestehen, werden die Besuche beim Psychologen seltener. Mein Therapeut, ist sehr schnell zu der Überzeugung gekommen, dass ich Transsexuell bin und Probleme hatte ich keine, außer dass mein Leidensdruck, jetzt wo ich so leben konnte, wie ich wollte, enorm zugenommen hatte. Ich fühlte mich einfach nicht mehr wohl in dem männlichen Körper.

Nach ca. 2 Monaten hatte ich mein erstes psychologisch-medizinisches Gutachten, das mir meine Transsexualität bestätigte und andere Ursachen ausschloss. In diesem Gutachten wurde empfohlen, mit der Vorbereitung und Durchführung einer gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung zu beginnen.

Manche Psychologen geben nur eine Indikation (F 64.0). Nach Möglichkeit versucht aber ein Gutachten zu bekommen. Das kann für Euch wertvoller sein. Wenn Ihr Glück habt und der Gutachter ist bei Gericht anerkannt, spart das vielleicht sogar ein Gerichtsgutachten und damit Kosten.

Auch wenn Ihr meint, Ihr braucht keine psychologische Betreuung mehr, besucht Euren Therapeuten bis auf weiteres noch mindestens einmal im Quartal, um eine ununterbrochene Therapie nachweisen zu können. Die Krankenkasse bzw. der MDK könnte auf 18 Monate Therapie und Alltagstest bestehen.

Jetzt müsst Ihr Euch einen Endokrinologen oder Gynäkologen mit TS-Erfahrung suchen. Auch hier gilt, die „Chemie“ muss passen. Wenn nicht, wechselt gleich am Anfang, auch wenn es dadurch Verzögerungen gibt. Mir ging es auch so. Ich war zuerst in Magdeburg bei Prof. Dr. Ahrend. Mein Leidensdruck hat ihn gar nicht interessiert. Streng nach seinen selbst auferlegten Prinzipien („Ich muss den Patienten mindestens ein halbes Jahr kennen, bevor ich Hormone verschreibe.“), hat er mich nach dem ersten Besuch nach einem Vierteljahr wieder bestellt. Dort bin ich natürlich nicht wieder hin gegangen. Er war zwar nett und freundlich, aber hat sich keine Mühe gegeben, mich zu verstehen. Ich habe mir dann sofort eine andere Frauenärztin gesucht.

Bevor die Hormone verschrieben werden, kann es sein, dass noch eine Chromosomenanalyse durchgeführt wird, um Intersexualität auszuschließen.

Die Verschreibung von Hormonen ist auch nicht bei der Krankenkasse genehmigungspflichtig. Es gehört zur Therapiefreiheit der Ärzte sie zu verschreiben. Auf keinen Fall bei der Krankenkasse beantragen. Ich kenne mehrere Fälle wo es gewaltige Probleme und damit Verzögerungen dadurch gegeben hat.

Ob Ihr auch Medikamente gegen die männlichen Hormone nehmt, bleibt Euch überlassen. Der Arzt wird eine Empfehlung geben, aber Ihr müsst sie nicht akzeptieren. Mit z.B. Androcur sinkt der Testosteronwert sehr schnell und die weiblichen Hormone wirken besser. Aber auch ohne Androcur sinkt der Testosteronwert, aber langsamer und die Dosis der zu nehmenden weiblichen Hormone könnte etwas höher sein. Die Nebenwirkungen von Androcur (oder CPA) können erheblich sein, wie z. B. Depressionen und Lustlosigkeit. Bei einer gesunden Leber ist es aber meiner Meinung nach relativ unbedenklich, denn man nimmt es ja nicht lange. Spürt man Nebenwirkungen kann man ja die Dosis verringern oder das Medikament ganz absetzen. Ich hatte von CPA einen Monat 100 mg, dann 2 Monate 50 mg, danach 3 Monate 25 mg täglich eingenommen und dann ganz abgesetzt.

Um auch rechtlich als Frau zu Leben, ist es zurzeit leider notwendig, beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Vornamens- und Personenstandsänderung zu stellen. Mein Antrag sah wie folgt aus:

Vorname Nachname                                                               Ort, Datum

Straße Nr.

PLZ Ort

Amtsgericht Ort

Straße Nr.

PLZ Ort

Antrag auf Änderung des Vornamens und der Geschlechtszugehörigkeit

(gemäß §8 Transsexuellengesetz TSG vom 10.09.1980)

Sehr geehrte Damen und Herren,

(1) Hiermit beantrage ich, [Vorname Nachname], geb. am [Datum], in [Ort] / Deutschland, gemäß Abschnitt 2 des TSG, der Änderung meines Personenstandes und der Vornamen zuzustimmen. Sollten zum Zeitpunkt der Entscheidung, z. B. wegen noch nicht abgeschlossener medizinischer Maßnahmen, noch Hinderungsgründe bestehen, so beantrage ich eine Vorabendscheidung nach §9 TSG.

Begründung:

Seit weit mehr als drei Jahren empfinde ich mich bereits nicht dem in meinem Geburtseintrag angegebenen Geschlecht, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig. Zudem stehe ich unter dem „Zwang" diesen Vorstellungen entsprechend zu leben (vgl. § 1 Abs. 1 Nr. 2 TSG). In meinem Lebensumfeld habe ich den Wechsel der Geschlechtsrolle bereits erfolgreich vollzogen (siehe Anlage). Ein Wechsel zurück in die meinem Geburtseintrag entsprechende Geschlechtsrolle- und Identität scheint mir nicht mehr möglich und würde für mich unerträglich sein. Des Weiteren befinde ich mich seit [Datum] in psychiatrisch-psychologischer Begleittherapie bei [Therapeuten].

Ich bin Deutsche/r im Sinne des Grundgesetzes und wohne derzeit in [Ort, Straße Nr.] (§1 Abs. 1.1 TSG).

(2) Ich beantrage in Zukunft den Namen Frau [Vorname Nachname] zu führen, (§1 Abs.2 TSG).

Antrag zum Verfahren:

Zur Ergänzung meines Antrages lege ich die fachärztliche Stellungnahme von [Therapeuten] bei. Ich beantrage hiermit, zur Verkürzung des Verfahrens, diese Stellungnahme als eines vom Gesetz gefordertes Gutachten zuzulassen (§ 4 Abs.3 Satz 1 TSG), da es die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Sachverhalte uneingeschränkt bestätigt (§4 Abs.3 Satz 2 TSG und §8 TSG).

Die Handhabung ist von Gericht zu Gericht verschieden. Folgende Unterlagen habe ich mit eingereicht:

Meldebestätigung der Gemeinde

beglaubigter Auszug Geburtenregister

beglaubigte Kopie Personalausweis

Vorhandenes medizinisch-psychologisches Gutachten

TS-Lebenslauf

Erklärung über die Entbindung von der Schweigepflicht (siehe nachfolgend)

Erklärung über die Entbindung von der Schweigepflicht

Hiermit entbinde ich,

Vorname Nachname

Straße Nr.

PLZ Ort

alle Ärzte und Psychologen, die mich im Zusammenhang mit meiner Transidentität behandelt haben bzw. behandeln werden, von ihrer Schweigepflicht gegenüber dem

Amtsgericht Ort

Straße Nr.

PLZ Ort

Zurzeit sind das folgende Ärzte und Psychologen:

Mein Hausarzt ist:

Name

Adresse

Telefon

Seit Datum befinde ich mich in psychotherapeutischer Begleitung bei:

Name

Adresse

Telefon

Seit  2010 befinde ich mich in weiblicher Hormontherapie bei:

Name

Adresse

Telefon

Ort, Datum

Die meisten Gerichte wollen, bevor sie mit der Bearbeitung des Antrages anfangen, einen Kostenvorschuss haben. Der kann auch mal so 1.500,- Euro sein. Es besteht die Möglichkeit Prozesskostenhilfe zu beantragen. Das Verfahren kann bis zu 3.000,- Euro kosten. Aber auch Kosten unter 1.000.- Euro sind möglich. Es sind hauptsächlich die Gutachterkosten, die den Preis hochtreiben.

Mein Zusatzantrag, das vorhandene medizinisch-psychologische Gutachten anzuerkennen, hatte übrigens Erfolg. Damit hatte das Gericht nur noch einen Gutachter für mich bestellt.

Viele Gerichte lassen sich viel Zeit. So wurde mir von anderen TS gesagt, das Amtsgerichte auch lange Bearbeitungszeiten haben. Deshalb habe ich mich öfters telefonisch oder sogar persönlich beim Amtsgericht gemeldet und höflich nachgefragt, wie weit der Bearbeitungsstand meines Antrages ist. Auch wenn man die Möglichkeit hat, Gutachter auszusuchen, ist es günstig, sich vorher zu erkundigen, welche die Gutachten relativ schnell schreiben.

Auch schriftlich habe ich mich bei Gelegenheit in Erinnerung gebracht, wie z. B. hier:

Geschäftsnummer: [Aktenzeichen]

Sehr geehrte Frau [Name Richterin],

in meiner Angelegenheit hat sich eine wesentliche Änderung ergeben.

Am [Datum] wurde bei mir am [Klinik] in [Ort] die geschlechtsangleichende Operation durchgeführt (Anlage).

Da das auch Einfluss auf die Stellungnahme des Landesverwaltungsamtes zur Anerkennung des vorhandenen Gutachtens von [Name] hat, bitte ich diese Information entsprechend weiterzuleiten.

Von der Anforderung eines weiteren Gutachtens bitte ich unter diesen Umständen abzusehen und den Beschluss zur Vornamens- und Personenstandsänderung zeitnah durchzuführen.

Mit freundlichen Grüßen

In  2010 habe ich meinen Antrag auf Kostenübernahme für die geschlechtsangleichende Operationen bei der Krankenkasse gestellt.

Hier mein Antrag als Beispiel [leicht abgeändert – persönliche Details entfernt]:

Vorname Nachname                                                               Ort, Datum

Straße Nr.

PLZ Ort

Krankenkasse

Straße Nr.

PLZ Ort

Versicherungsnummer: 0000000000

Antrag auf Kostenübernahme für geschlechtsangleichende Operationen

Sehr geehrte Frau [Name – falls nicht bekannt, Damen und Herren],

hiermit beantrage ich die Kostenübernahme für geschlechtsangleichende Operationen aufgrund meiner Mann-zu-Frau Transsexualität.

Begründung:

Wie Sie aus meinem ausführlichen Lebenslauf entnehmen können, lebe ich seit [Datum oder Zeitraum] als Frau. Innerlich war ich schon immer eine Frau in einem männlichen Körper habe es aber Jahrzehnte aus Angst und Scham unterdrückt.

Das bisherige Leben als Frau macht mich glücklich, ich habe deswegen auch nirgends Probleme.

In den letzten Monaten steigt aber mein Leidensdruck beachtlich, da mein Körper nicht dem einer Frau entspricht. Vom Äußeren habe ich im letzten Jahr beachtliche Fortschritte gemacht, um als Frau wahrgenommen zu werden.

Aber das Teil zwischen den Beinen verhindert, dass ich mich als Frau fühlen kann. Damit bleibe ich ein Mann, der als Frau lebt. Ich hasse es einfach. Es wird mich immer verraten, dass ich keine Frau bin. Die psychische Belastung ist in letzter Zeit enorm gestiegen. Nachts kann ich kaum schlafen. Am Tage kann ich mich nicht konzentrieren. ………. Auch meine Arbeitsfähigkeit leidet darunter. Und beim Arbeiten mache ich Fehler, die nicht sein müssten.

Auf Dauer sehe ich keine andere Lösung als eine geschlechtsangleichende Operation um diesen Konflikt zu lösen.

Seit [Datum] befinde ich mich in psychotherapeutischer Begleitung bei:

Name

Adresse

Telefon

Seit [Datum] befinde ich mich in weiblicher Hormontherapie bei:

Name

Adresse

Telefon

Die Klinik, wo ich diese Operationen durchführen lassen werde, gebe ich Ihnen noch bekannt.

Anlagen:

- ausführlicher transsexueller Lebenslauf

- medizinisch-psychologisches Gutachten über meine Transidentität

- Chromosomenanalyse

- aktueller Hormonstatus

- gutachterliche Stellungnahme zur Indikationsstellung vom Therapeuten

Sollten weitere Unterlagen fehlen, geben Sie mir bitte Bescheid.

Mit freundlichen Grüßen

Vorname Name

Nachreichen musste ich noch den Kostenvoranschlag des Krankenhauses für die geschlechtsangleichende Operation und der Nachweis über die Aufklärung der Risiken und eventuellen Nebenwirkungen der Operation.

Um schnell vorwärtszukommen, sei es bei der Beantragung der Kostenübernahmen von Operationen, bei der Beantragung der neuen Versicherungskarte oder Rentenversicherungsnummer oder sonstigen Umgang mit Behörden und ähnlichen Institutionen, lässt sich folgendes im Allgemeinen sagen:

Immer konsequent als Frau auftreten. Dabei versuchen, so natürlich wie möglich aufzutreten. Nicht abwimmeln lassen, auf Begründungen von Ablehnungen bestehen, sofort Widersprüche einlegen, versuchen Argumente zu finden und wenn man das Gefühl hat, an einer Stelle nicht weiterzukommen, einen anderen Weg suchen. Und dabei immer höflich bleiben und wenn es sich anbietet, auch mal „Honig ums Maul schmieren“. Auf jeden Fall immer schnell handeln, um den Leidensdruck zu unterstreichen.

Für die Auswahl der Klinik, wo die Operation stattfinden soll, ist es schwer Ratschläge zu geben. Ein gewisses Risiko besteht überall.

Nach der Operation ist das Bougieren wichtig. Widersprüchlich sind teilweise die Aussagen, auch von Ärzten, ob die neue Neovagina gespült werden muss oder nicht. Die einen sagen, das Spülen ist notwendig, um sie sauber zuhalten und die anderen meinen, auf keinen Fall spülen, man zerstört dadurch die natürliche Scheidenflora. Ich habe mich dafür entschieden, wenn ich der Meinung bin, es ist da unten nicht in Ordnung, spüle ich, sonst lasse ich es sein.

TS und die Ehe

Die Zusammenhänge sind da sehr komplex und ein „Erfolgsrezept“ gibt es da nicht.

Erst einmal ist die grundlegende Einstellung einer jeden Frau eine Andere.

Es gibt Frauen, die respektieren und tolerieren das auf keinen Fall. Da könnte man machen was man will, da gibt es keinen Weg. Eher würden sie sterben. Aber wahrscheinlich trennen sie sich von ihrem Mann. Das Äußerste, was sie vielleicht bei viel Geduld noch „mitmachen“ ist die Duldung des „Frauseins“ im stillen Kämmerlein oder weit weg vom Wohnort. Aber sie wollen damit nichts zu tun haben. Sie versuchen auch gar nicht erst, das Alles zu verstehen.

Dann gibt es Frauen, die damit (fast) keine Probleme haben. Sie sehen in ihrem Partner einen Menschen, der einfach nur sein Leben Leben will. Der seine Gefühle nicht mehr verstecken will. Sie unterstützen ihren "Mann" und freuen sich sogar darüber, wenn er sich positiv verändert.

Versetzt Euch mal in die Lage der Frau. Sie ist nicht lesbisch und hat den Mann geheiratet, den sie liebt. Dann erfährt sie plötzlich, dass sie mit einer Frau verheiratet ist, die aber so aussieht, wie ein Mann. Nur, dass diese Frau das nie verraten hat, weil sie es selbst nicht so genau gewusst hatte, Angst hatte es einzugestehen und / oder selbst über lange Jahre gedacht hatte, das kann einfach nicht sein – das bekomme ich hin.

Das ist erstmal ein Schock! Und dann will diese Frau auch noch jetzt plötzlich, auch für alle sichtbar als Frau leben. Und dann kommt vielleicht noch der Wunsch, den „Körper“ einer Frau zu haben. Da bricht für eure Frau eine Welt zusammen!

Was würdet Ihr sagen, wenn eure Frau plötzlich ein Mann sein wollte? Wäre das für Euch nicht auch ein Schock?

Als erstes solltet Ihr Euch fragen, liebt mich meine Frau noch?

Liebt sie mich als Mensch, den sie in all den vergangenen Jahren zu schätzen gelernt hat, der ihr immer beiseite stand, der versucht hat, ihr alle Wünsche von den Augen abzulesen und der mit Ihr durch „Dick und Dünn“ gegangen ist. Dann besteht Hoffnung.

Oder liebt sie den „starken Mann“, an dem sie sich festhalten kann und der sie auch regelmäßig im Bett „glücklich macht“. Dann sieht es nicht gut aus.

Eine große Rolle spielt auch die Familie. Ist dort alles in Ordnung, will keiner dieses zerstören. Natürlich sieht aber die Ehefrau genau in der Transition des Partners eine Gefahr, dass diese Ordnung gestört wird.

Positiv wirkt sich auch aus, wenn man schon viele Jahre glücklich verheiratet ist. Zum Einem hat man schon viel gemeinsam erreicht, was keiner verlieren will und zum Anderen zählen dann zunehmend andere Werte, als Sex.

Jetzt zum wichtigsten: Wie erreiche ich es, dass meine Frau mich als Frau akzeptiert?

Der Ausgangspunkt ist folgender:

Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich mich als Frau glücklich fühle. Ich selbst weiß auch noch nicht genau, wo mich meine Gefühle hinführen werden.

Meine Frau möchte natürlich nicht eine Frau an ihrer Seite haben.

Wichtig ist jetzt, nichts zu übereilen. Der Partner braucht Zeit, das alles zu verarbeiten.

Ich weiß das ist schwer. Ist es erst mal „raus“, hat man keine Geduld mehr.

Fallt auf keinen Fall mit der „Tür ins Haus“. Sagt Eurer Frau zwar, dass Ihr Euch in einem weiblichen Outfit wohl fühlt, aber sagt auf keinen Fall gleich, ich möchte die geschlechtsangleichende Operation. Zum Einen wisst ihr das am Anfang ohnehin nicht (mir ging es jedenfalls so) und zum anderen wäre einfach der Schock für Eure Frau zu groß. Die Nerven Eurer Partnerin werden auch so genug strapaziert.

Im Nachhinein hat das „scheibchenweise Vorgehen“ auch für Euch ein Vorteil – Ihr wachst langsam in die neue Rolle hinein und merkt dadurch, ob es auch das ist, wovon Ihr schon immer geträumt habt.

Nachdem es dann Eure Frau weiß, sucht das Gespräch mit Ihr. Versucht Ihr zu erklären, warum das so ist, welche Gefühle ihr habt. Das wird nicht einfach sein. Sie wird sagen, sie will davon nichts wissen. Immer wieder das Gespräch suchen, mit viel Einfühlungsvermögen. Sagt Ihr, dass Ihr sie trotzdem ganz lieb habt, dass das nichts mit Ihr zu tun hat. Zeigt Ihr auch Eure Liebe. Versucht Ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Versucht vielleicht Vereinbarungen zu treffen, wann und wo Ihr mal Frau sein dürft.

Gebt Ihr aber auch vorsichtig zu verstehen, dass Ihr ohne dem „Frausein“ Euch nicht Wohlfühlen würdet.

Wenn sie dann so einigermaßen Euer „Frausein“ in den eigenen Wänden oder sogar in unbekannter Umgebung, akzeptiert, werdet Ihr merken, dass das Verstecken sehr anstrengend ist. Da kommt plötzlich und unerwartet Besuch. Das Umziehen bekommt man ja noch schnell hin, aber das Abschminken, ohne Spuren zu hinterlassen, ist schwierig.

Jetzt gilt es, die ersten guten Verwandten oder Freunde einzuweihen. Davor haben Du und Deine Frau noch viel mehr Angst.

So nach und nach, je nachdem wie es läuft, werden immer mehr einbezogen.

Der nächste Schritt wäre dann das öffentliche Auftreten, auch in Deiner unmittelbaren Umgebung. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn Dein Passing gut ist. Sonst musst Du damit rechnen, angestarrt zu werden oder gar dumme Bemerkungen zu erhalten. Wenn da deine Frau dabei ist, macht sich das nicht gut. Teste es erst mal alleine. Erst wenn Du merkst, das geht gut, nimm Deine Frau mit. Wenn sie dann merkt, es passiert ja nichts, wird auch Ihre Angst genommen.

Hat sich das alles eingespielt, kannst Du ja dann so langsam vorsichtig Ihr Deine weiteren Wünsche, falls vorhanden, beichten.

Aber wie gesagt, jede Frau ist anders! Ich würde mich freuen, wenn Betroffene (TS und ihre Partner) ihre eigenen Erfahrungen hier schreiben würden. Hier noch ein Tipp für Paare, die noch nicht verheiratet sind, aber vorhaben zusammenzubleiben und mal heiraten wollen.  In Deutschland gibt es zurzeit noch keine gleichgeschlechtliche Ehe, sondern nur eine Eingetragene Partnerschaft (siehe Wikipedia). In einer Eingetragenen Partnerschaft gelten nicht die gleichen Rechte wie in einer Ehe. So kann zum Beispiel kein Ehegattensplitting in Anspruch genommen werden und keine gemeinsame Adoption erfolgen.  Aber es gibt da eine Ausnahme. Am 27. Mai 2008 hat das Bundesverfassungsgericht den Beschluss gefasst, dass eine Zwangsscheidung für Transsexuelle verfassungswidrig ist (- 1 BvL 10/05 -).  Das heißt also, es ist vorteilhafter eine eventuelle Hochzeit vor der Vornamens- und Personenstandsänderung vorzunehmen. Und wo steht, dass bei einer Hochzeit der „Mann“ kein Hochzeitskleid anziehen darf?  Damit befindet ihr Euch in einer „echten Ehe“ mit allen Vor- und Nachteilen, die auch nach der VÄ/PÄ bestehen bleibt. Danach ist nur noch eine Eingetragene Partnerschaft möglich.  Wenn Ihr nach der Personenstandsänderung eine neue Geburtsurkunde beantragt, erhaltet Ihr auch eine neue Eheurkunde.

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