Oberstleutnant Anastasia

Diese Soldatin war mal ein Mann

Anastasia hat­te immer das Gefühl, das Leben als Mann mache sie nicht rich­tig glück­lich

Es war ges­tern DIE Nachricht: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (58, CDU) ver­an­stal­tet Ende Januar ein Seminar zum Thema „Umgang mit sexu­el­ler Identität und Orientierung in der Bundeswehr“.

Ziel soll sein, die Bundeswehr bun­ter zu machen und für sexu­el­le Randgruppen zu öff­nen.

Denn: Nach Schätzungen des Verteidigungsministeriums gibt es in der Bundeswehr rund 17 000 Menschen, die der LGBT-​Gemeinschaft ange­hö­ren (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender). Das sind 6,6 Prozent der ins­ge­samt 262 000 Bundeswehr-​Angehörigen.

Eine von ihnen ist Oberstleutnant Anastasia Biefang. Sie ist trans­se­xu­ell, wur­de als Mann gebo­ren. Doch sie konn­te ihre weib­li­che Identität irgend­wann nicht mehr leug­nen. Nach rund 20 Jahren Karriere bei der Bundeswehr oute­te sie sich.

Ihrem Chef mit­zu­tei­len, dass sie eine Frau im Körper eines Mannes ist, hat Anastasia viel Mut gekos­tet

Sie trug schon immer gern femi­ni­ne Kleidung

Biefang war nie aus­schließ­lich auf ein Geschlecht fixiert. Bereits als Jugendliche sei ihr klar gewor­den, dass sie Männer und Frauen lie­be, sagt die gebür­ti­ge Krefelderin. Außerdem habe sie schon damals gern femi­ni­ne Kleidung getra­gen. „Mir war nicht klar, ob das nur ein Fetisch war oder ein Hinweis auf mei­ne geschlecht­li­che Identität“, sagt sie in einem Beitrag im Bundeswehr-​Magazin „Y“.

Sie habe immer das Gefühl gehabt, das Leben als Mann mache sie nicht rich­tig glück­lich. Allerdings ver­zich­te­te sie dar­auf, dem Gefühl nach­zu­ge­ben. Der Beruf ging vor. „Ich habe ver­sucht, im Dienst den Mann her­vor­zu­keh­ren. Ich woll­te Karriere machen und mich nicht mit mei­ner Transsexualität aus­ein­an­der­set­zen.“

Im Dienst ein Mann, pri­vat eine Frau
Wann immer es mög­lich war, leb­te Biefang ihre weib­li­che Seite aus. Im Dienst war sie der akku­ra­te Offizier mit Kurzhaarschnitt, nach Feierabend mit ihren Freunden unter­wegs – oft mit Perücke und in Frauenkleidern. Der Spagat gelang nur teil­wei­se: Von Jahr zu Jahr wuchs ihr Bedürfnis, rund um die Uhr als Frau zu leben.

Biefang konn­te das Gefühl schließ­lich nicht mehr aus­blen­den. „Es wur­de so stark, dass es mir psy­chisch rich­tig schlecht ging. Es hat mich ein­ge­engt, mein gefühl­tes Geschlecht immer nur für kur­ze Zeit aus­le­ben zu kön­nen.“

Als Anastasia sich ent­schließt, ihr Doppelleben auf­zu­ge­ben und sich zu outen, spürt sie eine gro­ße Erleichterung

Der Tag der Entscheidung

Am Tag vor einer Urlaubsreise nach Brasilien traf Anastasia Biefang eine Entscheidung. Kurz bevor sie in das Flugzeug nach Rio de Janeiro stieg, ließ sie sich beim Juwelier Ohrlöcher ste­chen. „Die waren für mich das Zeichen, dass sich bald was ändern soll. Bei der Bundeswehr dür­fen Männer im Dienst kei­ne Ohrstecker tra­gen“, sagt die Frau Oberstleutnant im Generalstab dem Magazin „Y“.

Biefang beschloss, ihr Doppelleben auf­zu­ge­ben – mit allen Konsequenzen. Als sie aus Brasilien zurück­kam, warf sie ihre Männerkleidung in den Müll. Nur ihre Dienstkleidung behielt sie. Als Nächstes infor­mier­te sie die Truppenärztin. Biefang wur­de an einen Sexualtherapeuten im Bundeswehrkrankenhaus Berlin über­wie­sen. Beim Termin sag­te sie als Erstes: „Ich bin eine Frau im Körper eines Mannes.“

Danach ging es Anastasia Biefang schlag­ar­tig bes­ser. „Ich hat­te mich 20 Jahre vor die­ser Entscheidung gedrückt. Ich war mir abso­lut sicher, dass ich durch­gän­gig als Frau leben möch­te.“

Ihr Chef war sprach­los

Dann kam der nächs­te Schritt, der viel Mut erfor­der­te: Biefang muss­te es ihrem Vorgesetzten mit­tei­len. „Ich habe ihm die Diagnose kurz und schmerz­los gemel­det. Da habe ich ihn zum ers­ten Mal etwas sprach­los erlebt.“

Beim Seemannssonntag – einem aus der Marinetradition stam­men­den Kaffeekränzchen am Donnerstag – oute­te sie sich im Referat, spä­ter in der gan­zen Abteilung. Die Kameraden nah­men die Nachricht posi­tiv auf. „Ich hat­te Unterstützung auf allen rele­van­ten Ebenen, nie­mand hat sich abge­wandt. Dafür bin ich dank­bar.“

Biefang ließ ihre Haare wach­sen

Mit ihrem Therapeuten besprach Biefang die nächs­ten Schritte. Denn: Der Weg zur Frau ist nicht leicht, der Transformationsprozess nimmt Jahre in Anspruch. Psychologische Tests müs­sen bestan­den, ärzt­li­che Gutachten erstellt wer­den. Biefang traf sich alle vier Wochen mit ihrem Therapeuten, um über Fortschritte und Rückschläge zu reden.

Zuerst muss­te sie den Alltagstest bestehen: Transsexuelle müs­sen ihr eigent­li­ches Geschlecht ein Jahr offen leben, bevor wei­te­re Schritte fol­gen kön­nen. „Im Privaten war das nicht pro­ble­ma­tisch. Für den Dienst habe ich über­legt, wie ich als Frau wahr­ge­nom­men wer­den kann“, sagt Biefang. Erst kamen die Ohrstecker, dann die „Frisurbefreiung“ – Biefang wur­de von der Pflicht ent­bun­den, die Haare kurz zu tra­gen. Sie ließ sie bis auf Kinnlänge wach­sen. Sie begann, auch im Dienst ein leich­tes Make-​up auf­zu­le­gen, und kam in Schuhen mit leicht erhöh­tem Absatz zur Arbeit.

Sie wirkt sehr glück­lich: Anastasia mit Ohrringen und kinn­lan­gen Haaren

Operative Geschlechtsanpassung im Sommer

Der nächs­te Schritt war die soge­nann­te Personenstandsänderung. Sie leg­te ihren alten männ­li­chen Vornamen ab und hieß nun auch offi­zi­ell Anastasia. In ihren neu­en Papieren und dem neu­en Truppenausweis war ihr Geschlecht geän­dert.

Es war ein rich­tig gutes Gefühl, jetzt auch offi­zi­ell aner­kannt zu sein. Ich war end­lich Frau – auch bei der Bundeswehr“, sagt Biefang. Der letz­te Schritt steht noch aus: die ope­ra­ti­ve Geschlechtsanpassung. Sie ist für den kom­men­den Sommer geplant. „Auch wenn ich schon als Frau lebe und mich so emp­fin­de, bin ich für mich noch nicht abge­schlos­sen“, sagt sie.

Daher sei die Operation für sie per­sön­lich wich­tig. „Das ist aber eine indi­vi­du­el­le Entscheidung, die jeder für sich tref­fen muss. Man kann auch als Frau leben, ohne sich ope­rie­ren zu las­sen.“ Furcht vor dem Eingriff hat Anastasia Biefang nicht: Er ist nur der logi­sche Schlusspunkt einer lan­gen Entwicklung, sag­te sie dem „Y“-Magazin.

Biefang ist Mitglied im Verein „Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr e.V.“ und dort Ansprechpartnerin für alle Fragen zu Transgender.

Quelle des Beitrag: http://m.bild.de/politik/inland/bundeswehr/diese-soldatin-war-mal-ein-mann-49745354,la=de.bildMobile.html

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