Transsexualität

Sobald Menschen sich anders ver­hal­ten als es der Norm ent­spricht, wird dies von der Mehrheit hin­ter­fragt. Gibt es dafür psy­chi­sche oder gar bio­lo­gi­sche Gründe? Ähnlich ver­hielt es sich stets mit der Transsexualität. Forscher gin­gen jah­re­lang davon aus, dass Transsexualität durch ein Hormon Ungleichgewicht aus­ge­löst wird, ergo Krankheitscharakter besitzt. Dies konn­te nun wider­legt wer­den und spricht Transsexuellen dem­nach ein Selbstbewusstsein zu, das ihnen stets abspens­tig gemacht wur­de. Als trans­se­xu­ell wird man gebo­ren.

Im Durchschnitt sind die Kinder sie­ben Jahre alt, wenn sie ent­de­cken, dass sie mit dem fal­schen Geschlecht gebo­ren wor­den sind. Dies beleg­te eine Studie an 101 jugend­li­chen Transsexuellen. Dieser Umstand liegt nicht in einem unaus­ge­gli­che­nen Hormonhaushalt begrün­de, was die These des Hirnforschers Georg Kranz von der Universität Wien belegt, die besagt, dass bereits wäh­rend der Schwangerschaft, also im Mutterleib, die geschlecht­li­che Prägung vor­ge­nom­men wird.

Verdeutlichen lässt sich die­se Annahme an einem Beispiel: Wird wäh­rend des ers­ten Drittels der Schwangerschaft ver­mehrt Testosteron aus­ge­schüt­tet und gegen Ende der Schwangerschaft weni­ger, dann kann bei­spiels­wei­se ein bio­lo­gi­scher Mann mit weib­li­cher Prägung ent­steht. Die Ursache liegt dabei im Mutterleib.

Lebensweise von Transsexuellen

Natürlich las­sen sich indi­vi­du­el­le Lebenswege nicht ver­all­ge­mei­nern und über einen Kamm sche­ren. Die Studie zeigt aller­dings, dass das Outing von Transsexuellen zumeist erst zehn Jahre nach deren Erkenntnis im fal­schen Körper zu leben, erfolgt. Mit rund 17 Jahren outen sich die meis­ten Betroffenen. Transmänner, also kör­per­li­che Frauen mit einer männ­li­chen Identität, outen sich etwa dop­pelt so häu­fig wie Transfrauen. Etwa zehn Prozent der Probanden konn­ten sich zu die­sem Zeitpunkt noch kei­nem der zwei her­kömm­li­chen Geschlechter zuord­nen und befan­den sich dem­nach noch auf der Suche nach ihrer geschlecht­li­chen Identität.

Die Psyche von Transsexuellen

Dass die Uneinigkeit über das bio­lo­gi­sche Geschlecht und die Identität bei den Betroffenen Spuren hin­ter­lässt, ist zu erwar­ten. Betroffene sind deut­lich häu­fi­ger von Übergewicht, Depressionen und Drogenmissbrauch betrof­fen. Die schwie­ri­ge psy­chi­sche Situation hin­ter­lässt ihre Spuren. Der Leidensdruck der Betroffenen ist beson­ders wäh­rend der Pubertät sehr hoch, da sich die sekun­dä­ren Geschlechtsmerkmale zu die­ser Zeit aus­bil­den und die Diskrepanz zwi­schen Körper und Selbstempfinden ste­tig ver­grö­ßert. Die aktu­el­le Forschung beschäf­tigt sich mehr denn je mit Hormontherapien, die Betroffenen den Umgang mit ihrer außer­ge­wöhn­li­chen Situation ver­ein­fa­chen kön­nen. Dass Transsexualität kei­ne Krankheit ist, ist ein ers­ter Schritt in Richtung des Verständnisses für den Leidensdruck von Betroffenen.

Quelltext: http://​www​.vels​pol​-bb​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​9​1​-​f​a​c​h​g​r​u​p​p​e​-​t​r​a​n​s​/​3​6​6​-​e​x​u​a​l​i​t​a​e​t​-​e​r​f​o​l​g​t​-​n​i​c​h​t​-​a​u​f​g​r​u​n​d​-​e​i​n​e​s​-​u​n​a​u​s​g​e​g​l​i​c​h​e​n​e​n​-​h​o​r​m​o​n​h​a​u​s​h​a​lts

trans­ge­ner bes­ser vor Benachteiligungen schüt­zen
Vor dem Transgender Day of Remembrance am 20. November hat die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), Christine Lüders, trans­pho­be Benachteiligungen und Gewalttaten ver­ur­teilt. „Diskriminierungserfahrungen trans­ge­schlecht­li­cher Menschen sind trau­ri­ger Alltag in Deutschland. Leider tra­gen dazu auch dis­kri­mi­nie­ren­de Regelungen im deut­schen Recht bei. So gilt Transsexualität noch immer als psy­chi­sche Störung. Transgeschlechtliche Menschen, die eine recht­li­che Anerkennung ihres Namens und Geschlechts oder den Zugang zu geschlechts­an­glei­chen­den Maßnahmen suchen, sto­ßen auf etli­che büro­kra­ti­sche Hürden.“

Lüders schlug des­halb vor, den im deut­schen Transsexuellengesetz ver­an­ker­ten Zwang zur Psychotherapie auf­zu­he­ben. Diese ist Voraussetzung, um medi­zi­ni­sche Maßnahmen wie eine Hormontherapie und geschlechts­an­glei­chen­de Operationen zu erhal­ten. „Transsexualität ist kei­ne psy­chi­sche Störung. Diese Unterstellung miss­ach­tet das Selbstbestimmungsrecht und stig­ma­ti­siert Menschen, die ohne­hin schon beson­ders unter Benachteiligungen lei­den.“ Eine Änderung des Namens und Personenstands in Deutschland soll­te auf ein­fa­chen Antrag hin mög­lich sein, for­der­te Lüders. Bislang erwar­tet Antragstellende ein gericht­li­ches Verfahren, in dem sie in meh­re­ren Gutachten ihre Transsexualität nach­wei­sen müs­sen.

Transgeschlechtliche Menschen erfah­ren auch in ande­ren Bereichen mas­si­ve Diskriminierung. Laut einer Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) haben ein Drittel der Befragten phy­si­sche Gewalt erlebt, zwei Drittel sexu­el­le Belästigung. Auch im Arbeitsleben, im Bildungsbereich und im Gesundheitswesen erfah­ren sie Benachteiligungen. Entsprechend sind sie über­durch­schnitt­lich von Arbeitslosigkeit, Armut und schlech­ter Gesundheit gefähr­det. Die Ausgrenzung führt häu­fig zu Isolation der Betroffenen. Jede drit­te trans­ge­schlecht­li­che Person hat bereits einen Suizidversuch hin­ter sich. Mit der Situation von trans­ge­schlecht­li­chen Personen befasst sich auch eine von der Antidiskriminierungsstelle ein­be­ru­fe­ne Kommission von Expertinnen und Experten, die ihre Ergebnisse im Dezember vor­stel­len wird.

Um Vorurteile gegen­über trans­ge­schlecht­li­chen Menschen abzu­bau­en, müs­sen wir bes­ser über ihre Lebenssituation auf­klä­ren“, so Lüders. „Statt Stereotypen brau­chen wir sicht­ba­re Vorbilder in Medien und Öffentlichkeit. Nur wenn wir Transphobie als gesell­schaft­li­ches Problem ernst neh­men, wird es auch weni­ger Gewalttaten gegen trans­ge­schlecht­li­che Menschen geben.“

Am Transgender-​Gedenktag („Transgender Day of Remembrance“) wird der Menschen gedacht, die aus trans­pho­ben Motiven getö­tet wur­den. Zwischen dem 1. Oktober 2014 und dem 30. September 2015 wur­den welt­weit 271 Morde an Transgender-​Personen bekannt

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